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Was hat uns am heutigen Tag (12. April) besonders bewegt?
Der Gedenkmarsch – so viele Menschen. Man denkt, dass die Geschichte vergessen wurde – so viele Menschen aus so vielen Ländern machen das Geschehene aber unvergessbar.
23 Mal größer als Auschwitz I war Birkenau. Es gab viel Grün zwischen den unzähligen Baracken; Das Geschehene ist kaum vorstellbar. Dennoch: Es hat zu wenig Gebäude für die große Anzahl von Menschen gegeben.
In der Ausstellung befinden sich keine Waffen, keine Uniformen. Exekutionsberichte und Dokumente wurden zur Beweissicherung aus dem KZ geschmuggelt. Wie sonst hätten die ZeitgenossInnen dieses Unfassbare glauben können?
Schuhe, Koffer, Bürsten, Brillen usw. wurden konserviert. Es war nicht richtig, dass die Haare ausgestellt werden, weil sie Teil der Menschen waren. Die Haare können nicht mehr erhalten werden, sie werden zerfallen – wir waren eine der letzten Gruppen, die sie gesehen hat.
Die Präsentation war nicht so grau und düster wie wir erwartet hatten. Im Gegenteil, sie wirkte ganz “friedlich”. Auch unsere Guide trug zu dieser Stimmung bei.
Die Nummer 16670. Der katholische Priester Maximilia Kolbe opferte sein Leben für einen Familienvater und ging statt diesem in die Hungerzelle. Nachdem Kolbe auch die beiden Wochen des Nahrungsentzugs überlebte, wurde er durch eine Phenolinjektion getötet. Der gerettete Familienvater hingegen überlebte das KZ und verstarb 1995.
Der unebene Boden aufgrund der Steine. Im Lager war alles war getrennt; vor allem Männer und Frauen. Die Häflinge auf den Fotos an den Wänden der Baracken scheinen uns heute noch anzusehen. Sie wurden ihrer Identität beraubt und nur durch Nummern gekennzeichnet.
Die Grundbedürfnisse wurden im Lager überhaupt nicht gedeckt – weder bei der Hygiene, schon gar nicht beim Essen.
Die Übertretung des Redeverbot während der Arbeit führte zur Inhaftierung in der Stehzelle (für zwei Wochen!). Zu viert waren diese Häftlinge auf eine Fläche von ein mal ein Meter eingesperrt. Viele überlebten diese “Sonderbehandlung” nicht. Die Todeswand (Genickschusswand) in einem Innenhof zwischen zwei Baracken ist heute ein Gedenkort im KZ und wird von vielen hohen PolitikerInnen besucht.
Gefährlicher als die SS-Männer waren für die Gefangenen oftmals Berufsverbecher. Diese Funktionshäftlinge (Blockwarte etc.) erfuhren eine bessere Behandlung und überwachten die übrigen Insassen bei Tag und bei Nacht. Im Gegensatz zu den Berufsverbrechern mussten diese auf einer Art Heuboden schlafen. Ein Etagenbett war für drei Menschen.
Das Gefühl auf den Gleisen zu gehen war sehr merkwürdig. Auch unser Mittagessen war skurril – wir aßen neben dem (vormals elektrischen) Stacheldrahtzaun. Überall war Wald. Ständig musste man aufpassen, inmitten der vielen Menschen die Gruppe nicht zu verlieren.
Die meisten Überlebenden haben es nur durch die Hilfe von anderen geschafft.
Das alles regt an nachzudenken – eigentlich haben wir es heute sehr gut.
Freddie Knoller wurde 1921 in Wien geboren. Sein Vater war Buchhalter und nach dem Anschluss 1938 verlor er seine Arbeit.
Mit seinen zwei Brüdern (Erik und Otto) spielte er in einem Trio – die Gruppe war in Wien durch ihre klassische Musik sehr beliebt und bekannt. Doch nach dem Anschluss bekamen sie keine Engagements mehr und der Vater beschloss, seinen Söhnen die Möglichkeit zu geben ins Ausland zu gehen. Erik (der mittlere Bruder) floh zuerst nach Holland und von dort aus nach England. Otto bekam durch Verwandte ein Visum nach Florida.
Freddie Knoller selbst fand zuerst in Belgien (refugee camp) Unterschlupf und fuhr danach (aus Neugierde) nach Paris. Dort kaufte er “falsche Papiere” und arbeitete ab diesem Zeitpunkt unter der Identität Robert Metzner.
Durch seine guten Deutschkenntnisse erweckte er das Interesse der GESTAPO und wurde gebeten, als Dolmetscher für diese zu arbeiten. Doch er wollte der GESTAPO nicht dienen und tauchte bei einer Widerstandsorganisation unter. Freddie kämpfte für diese Organisation bis 1943 als ihn seine damalige Freundin Jaqueline aufgrund eines Streits verriet. Daraufhin wurde er sofort verhaftet und durch Folter zu einem Geständis gezwungen. Er gab zu, Jude zu sein, doch er verlor kein Wort über die Widerstandsorganisation.
Am 6. Oktober 1943 wurde er mit einem Viehwagen nach Auschwitz deportiert und kam ins Lager Auschwitz III (Buna/Monowitz). Zwei Jahre verbrachte der Häftling mit der Nummer 157108 im Konzentrationslager als Arbeiter. Der Zeitzeuge ist überzeugt davon, dass er ohne seinen Freund Dr. Robert Waitz nicht überlebt hätte. Dieser Arzt, welchen er während der Deportationsfahrt aus Frankreich nach Polen kennengelernt hatte, versorgte ihn regelmäßig mit Essenssonderrationen.
1945 wurde Freddie Knoller aus dem KZ Auschwitz evakuiert. Zunächst hielten sie sich im KZ Glaiwitz auf und wurden danach weiter ins KZ Bergen-Belsen (März 1945) transportiert. Im selben Jahr wurde das KZ von den Engländern befreit und er ging zurück nach Paris. Die amerikanische Botschaft verhalf ihm dazu, seine beiden Brüder, welche mittlerweile beide in Amerika wohnten, wieder zu treffen. Mittlerweile lebt Freddie mit seiner Frau in London und hat über seine Erlebnisse ein Buch verfasst.
Dr. Robert Waitz überlebt das KZ Auschwitz III und ging danach zurück nach Paris. Dort verstarb er sechs Monate nach seiner Rückkehr an Krebs.
Abschließend: Erstaunlich fanden wir, dass Freddie Knoller trotz der grausamen Erlebnissen, die ihm im Laufe seines Lebens widerfahren sind, so positiv und optimistisch war. Er ist sehr lebensfroh und konnte dies durch seine Erzählungen gut vermitteln.
„Every event in my story leads up to Auschwitz and no subsequent thought or action in my life is untouched by the memory of Auschwitz.“
Unerwartet war, dass der Großteil der Baracken bereits weg war. Man sah in leere Räume. Dadurch stellen sie nicht mehr das dar, was sie einmal waren – sie wurden zu neuen Orten.
Eine greifbare Form hat das Verbrechen durch die gesammelten Bilder der KZ-Häftlinge angenommen. Vor allem durch die genaue Dokumentation der Personen – Name, Geburtsdatum, Ankunftsdatum im KZ und Sterbedatum – wurde das Grauen viel lebhafter.
Die große Anzahl an Menschen, die ihr Leben in KZ lassen mussten, wurde vor allem durch die Haare, die Schuhe und Bürsten sehr deutlich. Allesamt persönliche Dinge der Häftlinge, ja sogar ihres Kopfhaares waren sie bei der Ankunft beraubt worden.
Für uns ist es sehr schwer nachvollziehbar, sich in die Situation hineinzuversetzen, wie es den Häftlingen ergangen ist. Vorstellung und Realität decken sich nicht mehr – beispielsweise erscheint das Eingangstor zu Auschwitz I mit dem Motto “Arbeit macht frei” sehr klein, da man im Hinterkopf auch immer an das Eingangstor zu Auschwitz-Birkenau denkt.
Im Vergleich dazu wirkt das Areal von Auschwitz-Birkenau dann aber größer, als wir es erwartet haben. Man steht an einem Punkt auf diesem Gelände und hat den Eindruck, es geht endlos weiter.
Ein Höhepunkt des Tages war der gemeinsame Gedenkmarsch – die Menschenschlage war so lang, dass man das Ende gar nicht gesehen hat. Zum Gedenken an die Opfer wurden kleine Holztäfelchen mit persönlichen Botschaften gestaltet:
Freddie Knoller, ein Zeitzeuge, erzählte uns von seinem Leben und Überleben in Auschwitz III. Überlebende betonen stets, dass sie die Zeit im KZ deshalb überlebt haben, weil ihnen jemand geholfen hat. Im Fall von Herrn Knoller war es Dr. Robert Weiß. Seine charmante englisch-deutsche begeisternde Erzählart hat uns alle mitgerissen und dennoch (oder trotzdem?) zum Lachen gebracht.
Der Tag war geprägt von ganz vielen Impressionen, die nun erst langsam wieder ins Gedächtnis kommen.
The one who does not remember history is bound to live through it again. (George Santayana)












