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Anna Jochum

Am Sonntag starteten wir in aller Früh verschlafen, aber auch schon gespannt und aufgeregt von Wien.

Am Nachmittag sahen wir den ersten Teil des Films „Schindler’s Liste“. Am meisten hat mich die Szene am Bahnhof erschüttert, wo man den Juden sagt, dass sie ihre Namen genau auf ihr Gepäck schreiben sollen, weil es ihnen nachgeschickt wird. In der nächsten Szene sieht man, wie NS-Männer alle Dinge aus den Koffern holen, die wertvollen Sachen geordnet und die anderen verbrannt werden. Außerdem legt einer der Männer einem anderen einige vergoldete Zähne, die anscheinend einem Juden gezogen wurden, auf den Tisch.

Dann kamen wir beim ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Plaszow an. Es war für mich schwer vorstellbar, dass hier wirklich einmal ein Konzentrationslager war, da es eigentlich in Plaszow keine Spuren mehr davon gibt. Wir kamen auch am ehemaligen Haus von Amon Göth vorbei. Ich finde es irgendwie merkwürdig, dass dieses Haus jetzt „normal“ bewohnt ist. Ich glaube nicht, dass ich dort wohnen könnte.

Beim Zeitzeugengespräch mit dem „Gerechten“ fand ich sehr bewundernswert, für wie selbstverständlich er es hält, dass seine Familie zwei Juden versteckt hat.

Am Montag fuhren wir ins KZ Auschwitz. Dort hatten wir eine Führung durch das KZ-Gelände. Besonders erschüttert haben mich der Raum mit den Schuhen und – noch mehr – der Raum mit den Koffern. Man sieht auf jedem Koffer noch deutlich die Namen und Adressen, die die Leute draufgeschrieben haben. Ich finde es schlimm, wenn man daran denkt, dass wahrscheinlich ein Großteil dieser Menschen in Auschwitz gestorben ist. Für mich machen diese Namen und Adressen die ganze Situation noch viel deutlicher, weil es auf einmal nicht mehr um „irgendwelche“ Menschen geht, sondern man einen genauen Namen von ihnen hat und vielleicht die Gasse oder das Haus, in dem sie gewohnt haben, sogar kennt.

Die Mittagspause fand ich merkwürdig, da wir besprochen haben, dass ganz Auschwitz als Friedhof gesehen wird, wir uns aber auf einer Wiese hingesetzt haben und zwischen Zaun und Baracken Mittag gegessen haben.

Warten auf den Marsch

Dann war es schließlich so weit und wir haben uns für den „March of Remembrance and Hope“ von Auschwitz nach Auschwitz-Birkenau aufgestellt. Der Marsch hat mich sehr beeindruckt; vor allem, wie ich gesehen habe, wie viele Leute hier mitgegangen sind.

Gedenktäfelchen

Die Holztafeln, die in die Gleise gesteckt wurden, haben mir auch sehr gut gefallen und waren ein schönes Zeichen.

In Auschwitz-Birkenau hatten wir ein sehr lustiges Zeitzeugengespräch mit Freddie Knoller, 87, der über seine Leben vor und in Auschwitz berichtet hat. Leider ist in Birkenau ein Großteil der Gebäude nicht zugänglich bzw. gar nicht mehr vorhanden. Auf der Heimfahrt und am Abend waren ich noch sehr nachdenklich und ich glaube, ich werde die Erlebnisse dieses Tages nicht so schnell vergessen.

Am letzten Tag sahen wir den jüdischen Stadtteil Krakaus – Kazimierz. Die Führung war sehr interessant, aber teilweise auch etwas langwierig. Ich war ein bisschen enttäuscht, dass man wegen Umbaus nicht in die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler hineingehen konnte und von der Ausstellung hätte ich mir auch etwas mehr erwartet. Nach drei Stunden Freizeit in Krakau, hatten wir ein Abendessen mit allen österreichischen SchülerInnen und zum Abschluss noch ein Konzert von den „Klezzmates“ bei dem auch getanzt wurde. Ich habe das Konzert als einen schönes und auch fröhliches Ende, dieser drei – eigentlich zu kurzen – Tage empfunden.

Sonnenuntergang

Ich bin sehr froh, dass wir dieses Projekt und diese Reise gemacht haben. Es war eine einmalige, besondere Erfahrung für mich und ich werde noch lange daran zurückdenken. Am liebsten würde ich nächstes Jahr wieder am „March of Rememberance and Hope“ teilnehmen!

Besonders dieses Zitat aus Auschwitz wird mich mein ganzes Leben begleiten: The one who does not remember history is bound to live through it again.

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