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Viktoria Brunner

Gleich nach der Ankunft, als uns der Gerechte von seiner Vergangenheit, seinen Erlebnissen mit Verfolgten erzählt hat, hab ich sofort gespürt, dass die folgenden Tage sehr intensiv werden würden, sehr erschreckend und strapaziös. Dieser Herr verband die Gegenwart mit der Vergangenheit, verband uns mit seinem Erlebten durch seine Geschichte. Es hat mich sehr verwundert, wie sachlich er alles erzählt hat, wie er nie wirklich ins Detail gegangen ist.

Auschwitz I war für mich greifbar und präsent, gab mir ein Gefühl von Unsicherheit und als der Führer erklärte, das genau hier, da, an dieser Stelle, ein Mensch erschossen wurde, da war ich still. Und ich hab es mir trotzdem nur mehr so schwer vorstellen können. An dieser Stelle stehen doch heute wir, da ist neues Gras gewachsen, da wurde so viel renoviert. 60 Jahre…

Bilderwand

Dann kamen wir zum nächsten Gebäude in Auschwitz I, betraten einen Gang und rechts und links starrten mich lauter müde, traurige Blicke an. Die Wände – voll mit großen Gefangenenporträts – haben mich so erschreckt – ich kann es gar nicht beschreiben. Da waren sie. Die, über die wir heute reden, schauten mich direkt an. Eine Gefangene aus Polen überlebte nur 3 Monate, ein junger Mann, ein halbes Jahr. Ich hielt Abstand von der Wand, war so entsetzt. Dieser Gang ist das Erschreckenste in ganz Auschwitz für mich gewesen.
Auch die ausgestellten Prothesen haben mich sprachlos gemacht, weil beim Gedanken daran, dass sie einst zu einem Menschen gehört haben, dem sie mit Gewalt genommen wurden und der nicht viel später starb, lief es mir kalt über den Rücken.

Marsch

Ich muss sagen, dass ich mich seltsam gefühlt hab, die ganze Zeit hindurch, doch die Gemeinschaft mit den anderen, den vielen jungen Menschen am Marsch, haben Auschwitz die Atmosphäre genommen, die ich mir vorgestellt habe. Die Betroffenheit war komplett verflogen, weil wir alle geredet und auch gelacht haben – nicht, weil uns nicht bewusst war, wo wir uns befinden, sondern weil wir nicht ständig trauern konnten. Es war für mich gar nicht möglich zu weinen. Andere haben gesungen, und das hat mir irrsinnig gefallen.

Ich hab mich so naiv gefühlt, weil ich nicht gewusst habe, dass in Auschwitz II fast kein einziges Gebäude mehr vorhanden ist. Eine weite, ebene Fläche, umrandet von einem furchteinflössenden Stacheldrahtzahn, der mir schon ein Gefühl der beklemmenden Vergangenheit vermittelt hat, aber Auschwitz II hat bei mir kein derartig erschreckendes Gefühl auslösen können. Es hat alles so gewirkt, als wäre bereits Gras darüber gewachsen und doch hat mich der Gedanke daran, dass hier tausende Menschen im Dreck leben mussten, sehr bestürzt.

Freddie Knoller hat mich so beeindruckt und fröhlich gestimmt. Er hat schon so viel durchgemacht, so viel Schreckliches erlebt, aber wie er selbst sagt, hat ihm der Optimismus geholfen und daraus kann jeder lernen. Auch er hat, finde ich, sehr sachlich erzählt. Ich vermute, dass das „Ins-Detail-Gehen“ für die Zeitzeugen aus psychischen Gründen gar nicht möglich ist.

Jeder hat diese Reise und das Erlebte komplett anders empfunden und verarbeitet, wobei sich  meine Empfindungen wahrscheinlich nicht so sehr von denen meiner Freunde unterscheiden, aber wie der Ort Auschwitz auf mich gewirkt hat, kann nur ich (schwer) in Worte fassen.

Die Tage hab ich als besonders lang empfunden, das Programm war gedrängt, aber gut organisiert und keine einzige Minute war eine verlorene. Wir haben so viel gesehen, ich hab eine gute und interessante Zeit mit meinen Freunden verbracht und mit den anderen Schülern am Schluss zu tanzen, war toll. Ein perfekter Abschluss.

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