Laura Koller
Eindrücke haben wir schon während der Fahrt nach Polen bekommen, was auf jeden fall ein guter Einstieg war. Den Film “Schindler’s Liste” habe ich im Bus zum zweiten Mal gesehen, aber egal wie oft man sich ihn ansieht, man ist immer aufs neue entsetzt über das Verhalten der Menschen.
Bei der ersten Besichtigung des ehemaligen Arbeitslagers und späteren KZs Plaszow, verursachte nicht nur das Wetter den kalten Schauer der uns über den Rücken lief, sondern auch die ersten Geschichten die wir zu hören bekamen.
Am ersten Abend, vor dem Abendessen, haben sich alle Schüler und Lehrer im Speisesaal versammelt um bei unserem ersten Zeitzeugen Gespräch in Polen dabei zu sein. Stefan Mika sprach polnisch und hatte eine Dolmetscherin bei sich. Er erzählte uns, dass seine Familie ein sehr gutes Verhältnis zu einer anderen, jüdischen Familie hatte. Sie kannten sich schon ewig und standen sich immer bei, egal was passierte. Als die Nationalsozialisten immer stärker wurden, wurde auch das Leben dieser jüdischen Familie gefährlicher. Stefan Mika’s Familie hatte einen Bauernhof, also auch einen Viehstall, indem sich zwei Leute dieser jüdischen Familie versteckten. Der Mann hatte sich vorgenommen ihnen zu helfen sich zu verstecken, obwohl er wusste, dass das für ihn der Tod bedeuten würde, wenn es irgendjemand der Polizei oder sonst wen melden würde. Aufgrund von langer Freundschaft, war es für die Familie jedoch selbstverständlich, sie zu schützen. Er brachte ihnen Essen, allerdings so unauffällig wie möglich. Da es ein Viehstall war, konnte er jederzeit hineingehen und das Futter hineinbringen ohne verdächtigt zu werden, weil es ja so ausgesehen hat, dass er die Tiere fütterte. Stefan Mika wurde später auch der Titel als “Gerechter unter den Völkern” verliehen. Es war erstaunlich sein breites Grinsen zu können, weil ich immer daran denken muss, was diese Person nicht alles Schreckliches erlebt hat. Doch es ist toll, dass sie nie das Lachen verlernen.
Genauso wie der Zweite Zeitzeuge Freddie Knoller, blieben sie beide recht sachlich. Der 87-jährige Mann war erstaunlich fit und fröhlich. Er wurde in Wien geboren, wohnt aber in London und spricht englisch.
Er setzte sich für eine Widerstandsorganisation ein, wurde aber wegen eines Streits mit seiner damaligen Freundin Jaqueline, von ihr verraten. Als Freddie Knoller das erzählte, war ich sehr entsetzt über die Fähigkeit einem Menschen den man einmal sehr gern hatte so etwas antun zu können, aus reiner Rachsucht. Während dem Erzählen dieses Ereignisses konnte man keinen Funken Hass, Rache oder Enttäuschung von seiner Seite aus hören oder spüren, was wahrscheinlich daran liegt, dass er die ganze Geschichte womöglich schon sehr gut verarbeitet hat. Unglaublich inspirierend war sein Optimismus und dass er der festen Überzeugung ist, dass die Heirat niemals ein Fehler, sondern wunderschön und toll ist und wir keine Angst haben sollen. Seine Frau saß neben ihm als er das alles erzählte und zum Thema Jaqueline schüttelte sie den Kopf soweit ich mich nicht irre.
“Arbeit macht frei” – Auschwitz 1 zu betreten war zu Beginn noch nicht so schlimm. Von Außen sahen alle Gebäude gleich aus – alles geordnet. Jedes Haus war aus Backstein und hatte kleine Fenster. Dann betraten wir eines der Häuser und schon beim Eingang betrachtete ich den Backstein an der Türschwelle und sah irgendwelche Buchstaben oder Zeichen die eingeritzt waren.
Drinnen sahen wir Gesichter. Ein Gesicht nach dem anderen, Fotos die auf der Wand hingen. Auf der linken Seite hingen die abgebildeten Frauen und auf der Rechten die Männer. Sie hatten alle kurze Haare und leere Blicke. Ich bekam ein sehr komisches Gefühl als ich an ihnen vorbei ging. Es war fast so als ob ich mich schämen würde ihnen in die Augen zu sehen, weil es uns heute so gut geht.
Was ich als sehr seltsam empfand waren die Schuhe, Koffer, Haare und sonstiges was früher mal den Gefangenen gehörte. Ich weiß nicht ob ich es gut finden soll, dass diese Sachen ausgestellt werden oder ob ich es für unangebracht halte Dinge von Verstorbenen, die so sehr litten, herzuzeigen. Vor allem Haare, die man ja schon hat und sich nicht kauft sowie ein Paar Schuhe beispielsweise, waren eigenartig zum betrachten.
Danach war es endlich so weit und nach langem, langem Warten begann der Marsch. Es war ein unglaublich tolles Gefühl und es machte mich irgendwie glücklich zu sehen wie viele Leute, vor allem auch Leute aus anderen Ländern, hier dabei waren. Es wurden auch Regenjacken untereinander getauscht und das Wetter war sehr angenehm.
Dann betraten wir Auschwitz Birkenau und erblicken die Schienen, auf denen einst Unmengen von Menschen zu dem letzten Ort den sie jemals besuchten transportiert wurden. In meinen Erwartungen war dieses Lager viel kleiner, als es in Wirklichkeit war. Es war riesig, unglaublich grün, rundherum der hohe Zaun und viel Wald. Da wo wir heute lachen, haben sie geweint. Da wo wir heute sprechen, haben sie geschwiegen. Da wo wir heute essen, haben sie gehungert. Zusammengefasst kann man auch sagen – Da wo wir heute leben, sind sie gestorben.
Für mich war diese Reise interessant und ich bin sehr froh darüber dabei gewesen zu sein. Es war erschreckend, merkwürdig, traurig und unfair, was alles an diesen Orten geschah, aber man spürte die Erleichterung und Hoffnung, dass es vorbei ist und es soll nie wieder passieren.






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